Archiv für Juli, 2010
Auch Datenschützer der EU kritisieren ACTA
ACTA greift auch nach Ansicht der europäischen Datenschutzbeauftragten zu tief in die Grundrechte der Bürger ein. Auch wenn beharrlich behauptet werde, dass es ausschließlich um die Bekämpfung von Produktpiraterie und Markenfälschungen in gewerblichem Ausmaß gehe, zielten die bisherigen Entwürfe auch auf allgemeine Urheberrechtsverletzungen und Filesharing ab, heißt es in einem jetzt von der britischen Bürgerrechtsorganisation Statewatch veröffentlichten Papier der “Artikel 29″-Datenschutzgruppe. Insgesamt hätten die Datenschützer zwar keinen Zweifel daran, dass die ACTA Verhandlungspartner redliche Absichten verfolgten. Einige der vorgeschlagenen Maßnahmen seien mit der Sicherung der Privatsphäre aber nicht vereinbar.
Weiter wird kritisiert, dass ACTA derzeit auch ein Haftungsmodell für Provider anstrebe, wonach Provider verpflichtet werden sollen, von Nutzern eingestellte Inhalte auf Hinweis der Rechteinhaber zu blockieren und Informationen über die Identität der verdächtigten Nutzer zu geben. Vor allem die “Kriminalisierung” von Filesharing könne einen juristischen Dammbruch bewirken, zumal die Kriterien dazu im Abkommenstext vage seien.
Analyse der ACTA-Verhandlungen durch Michael Geist
Wie auch Netzpolitik.org berichtet,
hat Michael Geist, Inhaber des Forschungslehrstuhls für Internet und E-Commerce-Recht an der Universität Ottawa, die letzte geleakte Version des Antipiraterieabkommens ACTA analysiert und dabei die verschiedenen Standpunkte der einzelnen Verhandlungspartner aufgeführt. Eine Liste mit den einzelnen Standpunkten findet sich hier.
Pirate Party MEP Forced To Leave ACTA Meeting
The degree of secrecy surrounding the controversial Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) has reached a worrying new height. Pirate Party MEP Christian Engstrom saw himself forced to leave a meeting with ACTA negotiators in the European Parliament after he was forbidden from sharing information with the public.
SWIFT-Abkommen – Ein Rückschlag für den internationalen Grundrechtsschutz
Das EU-Parlament hat heute mit 484 zu 109 Stimmen ein neues transatlantisches Übereinkommen zur Weitergabe von Überweisungsinformationen des Finanznetzwerks SWIFT abgesegnet.
Das Abkommen betrifft Daten wie Name, Adresse, Empfänger und Höhe einer Überweisung für Transaktionen in Länder außerhalb der EU und Zahlungen aus solchen Ländern.
Die mehrheitliche Zustimmung des EU-Parlaments zum neuen SWIFT-Abkommen stellt einen Rückschlag für die Verhandlungen um einen verbindlichen Grundrechtsschutz in der internationalen Sicherheitszusammenarbeit dar. Zwar wurden im Vergleich zum vorherigen Entwurf richtige Korrekturen erreicht, der grundsätzlichen Kritik an der massenweisen verdachtsunabhängigen Datenweitergabe und den viel zu langen Speicherfristen wurde allerdings nicht nachgekommen. Die ganz große Koalition aus Konservativen, Sozialdemokraten und auch Liberalen akzeptiert damit eine Absenkung bisher geltender Rechtsstaatsprinzipien und riskiert eine EU-rechtswidrige Regelung.
Fahrverbot für Schauspieler II
Verfasst von Redaktion unter Spaß und Unsinn am 5. Juli 2010
Ich hatte durch die tolle Überschrift bei Rechtslupe schon auf ein allgemeines Fahrverbot gehofft, oder sollen solche Menschen wirklich Autofahren? :
EU-Parlament verschiebt Abstimmung über umstrittene Internet-Sanktionen
Mit 140 zu 135 Stimmen hat das Europäische Parlament gestern – auf Antrag von Grünen und Sozialisten – für eine Verschiebung der Abstimmung des sehr kontrovers diskutierten Gallo-Berichts über die “Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums” gestimmt.
Diese Abstimmung ist ein gutes Zeichen für eine zukünftige Positionierung des EP. Der Text ist in seiner aktuellen Fassung für die europäischen Bürger schlicht unakzeptabel, da er sehr repressive Maßnahmen gegen nicht-kommerzielles Filesharing vorsieht und private Nutzer mit “Piraten” und professionellen Produktfälschern gleichstellt. Wäre der Text in dieser Woche in der Form angenommen worden, hätte man die Büchse der Pandora geöffnet, indem man die komplette Überwachung der Aktivitäten aller Internetnutzer ermöglicht hätte. Zugang zu Wissen und das Prinzip der “net neutrality”, auf dem der Erfolg und die erfolgreiche Weiterentwicklung des Internet basieren, würden ausgehebelt. Wie schon das berühmt-berüchtigte “Lex Hadopi” in Frankreicht bietet auch dieser Bericht keine wirklichen Lösungen für die unzweifelhaft existierenden Probleme an: Keine Vorschläge für neue Lizensierungsmodelle, keine Vorschläge für eine Reform bzw. Modernisierung des Urheberrechts, die eine kreative und innovative Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft befördern würden.
Der Bericht von Frau Gallo steht für eine längst überholte Sichtweise. Er will die Urheberrechte im Internet stärken und schränkt gleichzeitig die Kommunikation und das Recht auf Privatsphäre auf dramatische Weise ein. Das ist ganz und gar unvereinbar mit dem Willen, ein freies, für jedermann zugängliches Internet zu erhalten und zu fördern – zur wahrhaft demokratischen Verbreitung von Wissen.
Die Verschiebung der Abstimmung auf September ist sehr erfreulich, da die lebhafte Debatte dadurch offen bleibt und man für zwei weitere Monate die Chance hat, doch noch innovative Lösungen für eine Vergütung von kreativem Schaffen im Internetzeitalter zu finden!
Jurablogs.com jetzt auch im WM Fieber
Verfasst von Redaktion unter Allgemein, Spaß und Unsinn am 3. Juli 2010
Damit auch nach der WM, das wohlige warme Gefühl der Vertrautheit und Zusammengehörigkeit erhalten bleibt hat Jurablogs.com geplant, seine Seite zum 12.07.2010 umzustellen. Ebenso Beck-online und Juris.
Neunte Verhandlungsrunde zu ACTA beendet
Vom 28. Juni bis 1. Juli 2010 fand auf Einladung der Schweiz in Luzern die 9. Verhandlungsrunde zu ACTA statt. An den Verhandlungen nahmen Australien, die Europäische Union, Japan, Kanada, Marokko, Mexiko, Neuseeland, Singapur, Südkorea, die Schweiz und die USA teil.
Behandelt wurden die Eingangsbestimmungen, die allgemeinen Pflichten der Parteien, die Abschnitte über die zivilrechtliche und strafrechtliche Rechtsdurchsetzung, die Bestimmungen über die Hilfeleistung der Zollverwaltung und die Rechtsdurchsetzung im digitalen Umfeld, die internationale Zusammenarbeit und die institutionelle Angelegenheiten. Schließlich war auch der Kreis der Immaterialgüterrechte, welche von ACTA erfasst werden sollen, Gegenstand der Gespräche und erlaubten diese ein besseres Verständnis der Haltungen der einzelnen Delegationen.
Die Veröffentlichung eines aktualisierten Entwurfs des Abkommens ist offenbar nicht geplant. In einem vom Büro des US-Handelsbeauftragten (USTR) am Donnerstag ausgesandten Papier ist davon jedenfalls keine Rede.
Eine interfraktionelle Gruppe von EU-Parlamentariern, der unter anderen der deutsche liberale Abgeordnete Alexander Alvaro angehört, hat eine schriftliche Erklärung zur Unterzeichnung aufgelegt, in der sie fordert, dass das verhandelte Abkommen die Redefreiheit, Datenschutz und Netzneutralität respektieren muss, und die EU-Kommission aufgefordert wird, alle Verhandlungstexte zu veröffentlichen. Bisher wurde die Erklärung von 253 Europaabgeordneten unterzeichnet. Damit sie zur offiziellen Position des EU-Parlaments wird, fehlen noch die Unterschriften von 126 EU-Parlamentariern.
Die nächste Verhandlungsrunde wird von den USA ausgerichtet. Die Teilnehmer bekräftigten ihre Absicht, die Verhandlungen so bald als möglich im Verlauf des Jahres 2010 abzuschließen.